Landwirtschaftsabend

Begeisterte Zuhörer bei den landwirtschaftlichen Fachvorträgen

Begeisterte Zuhörer beim Landwirtschaftsabend in der Hauptstelle in Leutkirch

Leutkirch -  Was für eine Bank gilt, nämlich durch Fusion und Kooperation noch stärker zu werden, kann auch für Landwirte gelten, sagten sich die Verantwortlichen bei der Leutkircher Bank und engagierten für den alle zwei Jahre durchgeführten Vortragsabend mit landwirtschaftlichen Fachvorträgen als Hauptreferenten Prof. Dr. sc. agr. Reiner Doluschitz von der Universität Hohenheim mit seinem Vortrag: „Kooperationen und Strukturwandel“.
 
Dipl. - Ing. agr. Harald Krummenauer von der R+V Allgemeine Versicherung AG zeigte in seinem Vortrag „Risiken und Vorsorge für die landwirtschaftliche Familie“ wie wichtig eine private Zusatzversicherung zur Altervorsorge von Landwirten ist.
 
Rund 80 Landwirte, darunter auch die seit Oktober amtierende Braunviehkönigin des Landes Baden-Württemberg, Beate Bühler, waren der Einladung des Vorstandes in den Vortragsraum in die Hauptstelle der Leutkircher Bank gefolgt. Der Andrang war so groß, dass kurz vor der Veranstaltung noch zusätzliche Stühle herbeigeschafft werden mussten. Bankvorstand Georg Kibele freute sich in seiner Begrüßung, dass sich so viele Landwirte, die Zeit genommen hatten und hoffte, dass „Sie das eine oder andere von den Vorträgen mitnehmen können.“ Die Landwirtschaft sei ebenso wie das Bankenwesen eine „Branche, die sich rasch verändert.“


Quasi als Einstimmung auf den Vortrag von Professor Doluschitz diente der Imagefilm, mit dem die Bank bei ihren Mitgliedern für die in diesem Jahr geplante Verschmelzung mit der Volksbank Allgäu-West wirbt.
 
Dipl. Ing. Harald Krummenauer, zeigte den anwesenden Landwirten – zumeist Milchbauern aus der Region – auf, wie wichtig nicht nur die Tierlebensversicherung für ihre Betriebe ist, sondern auch wie wichtig eine zusätzliche Privatversicherung für die eigene Altersvorsorge ist. Denn nach 45 Einzahlung in die Landwirtschaftliche Alterskasse (LAK) ergibt sich für einen durchschnittlich verdienenden Landwirt einen Altersrentenanspruch von gerade einmal 632 Euro. Und das auch erst nachdem er seinen Betrieb in jüngere Hände übergeben hat. Noch schlechter sieht es mit der Erwerbsminderungsrente und anderen, etwa der Witwenrente aus. Krummenauer empfahl den Landwirten dringend, sich mit Produkten aus dem Landwirtschaftlichen Versorgungswerk der R+V , etwa der Riester Rente oder Basisrente Agrar die finanziellen Aussichten im Alter zu verbessern. Und damit auch möglichst früh zu beginnen. Auch die Absicherung für den Fall der Berufsunfähigkeit hält er für mehr als unzureichend, zumal auch das Gefährdungspotential in der Landwirtschaft viel höher als in anderen Bereich der Gesetzlichen Unfallversicherung liegt. Eine weitere Versicherung, die gesetzlich unzureichend abgedeckt wird, ist die Pflegeversicherung: die Wahrscheinlichkeit mit Erreichen des Renteneintrittsalters an Demenz zu erkranken liegt bei 67%. Er erläuterte in diesem Zusammenhang, neben den Möglichkeiten die nicht ausreichende Pflegeversicherung aufzustocken, auch das neue Pflegeschutzgesetz, bei dem aus bisher drei Pflegestufen nun fünf Pflegegrade werden, wobei die Heimunterbringung von Pflegebedürftigen weiterhin am besten finanziell unterstützt wird, wie ein Landwirt, der gemeinsam mit seiner Familie schon zwei Angehörige zu Hause gepflegt hatte, bitter einwarf.


Auf eine gewisse Weise seien Kooperationen auch eine Art von Altersvorsorge, meinte Prof. Dr. sc. agr. Reiner Doluschitz zu Beginn seines Vortrages. Die vertragliche Festlegung einer solchen Rechtsform „dient dazu, die Fehler die andere gemacht haben, nicht noch einmal zu machen.“ Indikatoren für den Strukturwandel in der Landwirtschaft sind laut Doluschitz die Veränderungen in Anzahl der Betriebe im Verhältnis zur Flächengröße für die Zeit von 1983 bis 2014: In diesen 30 Jahren habe sich in Deutschland die Anzahl der Betriebe von 758.000 auf 286.000 reduziert, während die bewirtschaftete Flächengröße sich beinahe vervierfacht habe. Dabei sind Bayern und Baden-Württemberg mit durchschnittlich 32 ha Schlusslichter in der Bundesrepublik, während in Mecklenburg-Vorpommern Betriebe mit fast der zehnfachen Flächengröße inzwischen die Regel seien. Aber: Krisen überstünden die Betriebe, die hierzulande zumeist im Nebenerwerb und als Familienbetriebe arbeiten, besser als die 25 Mann-Agrarfabrik in Mecklenburg Vorpommern.
 
Als Beispiel für gelungene Kooperationen nannte er den niedersächsischen Landwirt Henning Pfeiffer. Diesem war es gelungen, durch starkes Flächenwachstum und Diversifizierung seinen Ackerbaubetrieb zukunftsfest zu machen. Ohne Berufskollegen wäre sein Einstieg in die Kartoffelverarbeitung, Schweinemast und Biogasproduktion nicht möglich gewesen. Ein günstigerer Stallbau und niedrige Maschinenkosten ließen sich dabei nur über Kooperationen mit zwei Kollegen realisieren. Sein Grundsatz dabei lautete: „Jede Kooperation muss so groß sein, dass sie mindestens einen Spezialisten trägt.“ Denn entscheidend sei: Durch die Zusammenarbeit mit Partnern sei nicht in allem Detailwissen erforderlich um erfolgreich zu sein. Wichtig bei einer Kooperation sei, die passende Rechtsform zu finden und die Kriterien in eine passende Vertragsform zu gießen: Haftung, Leitungsbefugnisse, Finanzierung, Gewinn- und Verlustbeteiligung usw..

Als Fazit seiner Ausführungen zitierte er Henry Ford: „Zusammenkunft ist ein Anfang, Zusammenhalt ist ein Fortschritt, Zusammenarbeit ist ein Erfolg.“

(Text: Die Bildschirmzeitung)