Schi­ri Lutz Wag­ner macht kla­re An­sa­gen

Temperamentvolle Präsentation bei unserem Mitgliederforum in Aitrach - Rosemarie Miller-Weber verabschiedet sich

Rosemarie Miller-Weber dankt Ex-Schiri Lutz Wagner für dessen packenden Vortrag.

Aitrach - Ist's nur Gelb? Oder doch die Rote Karte? Ein Schiedsrichter muss sich in Sekundenbruchteilen entscheiden, in einer Stresssituation. Muss damit fertig werden, wenn 80 000 brüllen: "Hängt ihn auf, die schwarze Sau".

Der Schiri ist zudem Moderator des Spiels. Die Erfahrungen auf dem Platz lassen sich auch auf betriebliche Ebenen, ja sogar aufs Familienmanagement übertragen. Das hat Ex-Bundesliga-Schiri Lutz Wagner beim bestens besuchtem Forum der Leutkircher Bank in der Aitracher Festhalle gezeigt. Mit lebendigen Beispielen und hessischem Temperament.

"Gute Zeit gehabt"

Zunächst aber gehört die Bühne Rosemarie Miller-Weber. Ein besonderer Auftritt, es ist ihr letzter. Die Vorstandsvorsitzende geht im Juni in den Ruhestand. Sichtlich bewegt verabschiedet sie sich. Sie habe eine gute Zeit gehabt, 25 Jahre mit an der Spitze. "Ich bin aber nicht oben gestanden, um nach unten zu schauen. Sondern um nach vorne zu schauen." Miller-Weber dankt ihren Vorstandskollegen. Und ihrem Mann, der seit 35 Jahren an ihrer Seite steht.

Die Zahlen, die Miller-Weber vorträgt, sind positiv - trotz minimalster Zinsen und Inflation, die Vermögen schmelzen lässt. Trotz immer härteren, personalintensiven Auflagen. Die Bilanzsumme der Leutkircher Bank ist im Geschäftsjahr 2016 um 6,1 Prozent auf rund 1,14 Milliarden Euro gestiegen. Das Gesamtkreditvolumen stieg um 5,1 Prozent auf 1,049 Millarden Euro, das wirtschaftliche Eigenkapital um 6,7 Prozent auf 145 Millionen Euro.

Zuwachs von 4,6 Prozent

Die Genossenschaftsbank wird von 29 301 Mitgliedern getragen, auch hier ein Zuwachs von 4,6 Prozent. Die Immobilientochter OSB verzeichne ebenfalls einen guten Geschäftsverlauf. Die Bank habe 1,46 Millionen Euro Gewerbesteuer an die Kommunen Leutkirch, Bad Waldsee, Bad Wurzach, Aichstetten, Aitrach und Wolfegg gezahlt. Außerdem wurde die Region mit 232 000 Euro aus Gewinnsparen und der Leutkircher Bank Stiftung unterstützt. Über Crowdfunding haben 7500 Unterstützer 63 Projekte erfolgreich abgeschlossen. Dabei wurde eine Spendensumme von 302 000 Euro erreicht, inklusive 71 980 Euro Spendenzuschuss der Bank.

Miller-Weber verschweigt nicht die Herausforderungen durch die Niedrigzinsphase und der derzeit zweiprozentigen Inflation. Aus jetzt 100 Euro werden in fünf Jahren nur noch 90 Euro, in 20 Jahren schmilzt die Summe auf rund 67 Euro. "Kommen Sie zu ihrem Bankberater" fordert sie auf, "wir haben Lösungen. Ihr Geld ist Ihnen ja nicht zugeflogen." Stolz ist Miller-Weber nicht nur auf die Beratungsqualität, sondern auch auf die neue Banking-App. "Wir haben die beste aller Banken und aller Finanzdienstleister."

Fusion als großes Thema

Wichtigstes Thema im Jahr 2017 ist natürlich die geplante Fusion mit der Volksbank Allgäu-West mit Sitz in Isny. "Wir bringen zusammen, was zusammengehört". Beide Banken seien kerngesund, ertragsstark, mitgliederorientiert. Die Leitbilder seien ähnlich, die Ziele der strategischen Ausrichtung auch. Die neue Bank mit dem "wunderbaren Namen" Volksbank Allgäu-Oberschwaben habe zusammen (Stand 31. 12. 2016) über 52 000 Mitglieder, eine Bilanzsumme von 2,061 Milliarden Euro und ein wirtschaftliches Eigenkapital von 266,8 Millionen Euro.

Präsent werde die VoBa Allgäu-Oberschwaben mit sieben Hauptstellen, 17 Geschäftsstellen, sechs SB-Stellen (Geldautomaten) und einer Online-Filiale sein. Das Gebiet reicht von Bad Waldsee, Unterschwarzach und Aitrach im Norden bis nach Lindau. Peter Häusele wird nach der Fusion sein Vorstandsmandat zurückgeben. Er hat Altersteilzeit beantragt und wird bis zum Ende seiner aktiven Zeit 2020 das Fusions- und Integrationsmanagment übernehmen.

Ein echter Hesse

Genug der Zahlen. "Hilfe, Erbarmen, die Hesse komme", hat die Band Rodgau Monotones einmal erfolgreich getextet. Lutz Wagner ist ein echter Hesse, so temperamentvoll, dass den ja eher bedächtigem Allgäuer die Ohren wackeln. 20 Jahre war er Bundesligaschiedsrichter.

Heute arbeitet Wagner als verantwortlicher Koordinator für die Schiedsrichterausbildung beim DFB und als Trainer der Bundesligaschiedsrichter. Außerdem ist er Trainer für Führungskräfte in der freien Wirtschaft und Regelberater der Medienanstalten. Seine Referenzliste ist sehr, sehr umfangreich. Der Mann ist gefragt.

"Lange Hosen können von kurzen Hosen lernen", sagt Wagner. "Was sich in 90 Minuten bewährt, funktioniert auch im Leben. Was für 80 000 gilt, gilt auch im kleinen Kreis". Es geht um Fairplay, ums Entscheiden. Um die Fehler, die manche dabei machen. Führungskräfte müssten, wie ein Schiri, beobachten, analysieren, begleiten, unterstützen und die Entscheidungen umsetzen. Agieren statt reagieren. Das richtige Zeitfenster beachten. Für das Klima sorgen.

"Für das Klima in einem Prozess ist immer der verantwortlich, der führt. Das gute Klima muss schon vorher aufgebaut werden, um später davon zehren zu können." Kein leeres Gerede - Wagner schildert anhand realer Erfahrungen auf dem Platz, wie das geht. Den Rüpel schnell stoppen. Sich mit den Spielern verständigen. Das Spiel anständig und fair moderieren.

Vier Beispielvideos

Im Grunde seines Herzen ist ja fast jeder Mann ein Super-Schiedsrichter. Wagner hat vier Beispielvideos mitgebracht, alle Zuhörer und Zuhörerinnen dürfen je nach Situation die Rote oder die Gelbe Karte ziehen. Das ist witzig, freilich nicht einfach. Manches ist halt anders, als es in der ersten halben Sekunde ausschaut. Der Schiri hat's nicht leicht. Aber das Spiel muss weitergehen. Wie im richtigen Leben.

(Schwäbische Zeitung, Bernd Guido Weber, 8.4.17)