Mitgliederforum in Aitrach

150 Jahre – erfolgreich, wachstumsstark und sicher

Prof. Dr. Manfred Spitzer
Gehirnforscher Prof. Dr. Manfred Spitzer nahm die Besucher des Forum mit auf eine spannende und sehr unterhaltsame Reise in die Funktionsweise des menschlichen Gehirns und die Auswirkungen der digitalen Welt auf die Menschheit.

Grund zum Feiern hatten fast 500 Mitglieder der Leutkircher Bank eG / Bad Waldseer Bank / Bad Wurzacher Bank am Mittwochabend in der Halle in Aitrach. Konnte die Vorstandsvorsitzende, Rosemarie Miller-Weber, doch im 150. Jubiläumsjahr der Bank über ein erfolgreiches Jahr 2015, einem Wachstum des Kundenvolumens von 4,9 % und 1.495 neuen Mitgliedern berichten. Die Zeiten seien herausfordernd - das Geschäftsmodell Genossenschaft stabil und sicher – seit 150 Jahren.

Neben vielen positiven Nachrichten zur Bank von Menschen für Menschen, berichtete  Rosemarie Miller-Weber von grundlegenden Veränderungen in der Bankenwelt. Ein historisch niedriges Zinsniveau, sich jährlich reduzierende Zinsüberschüsse, die Digitalisierung und unendlich viele Regularien stellen alle Banken vor große Herausforderungen. Rosemarie Miller-Weber:  Uns ist vor der Zukunft nicht Bange,  auch wenn die Rahmenbedingungen nicht einfach sind. Wir packen die Themen einfach rechtzeitig an!

 

Gut gerüstet in die Zukunft

„Unsere Mitglieder und Kunden wünschen sich jeden Zugangsweg zur Bank. Wir müssen aktuell sein und bleiben: sei es persönlich, im Internet, am Telefon oder Mobil mit einer App“, sagt die Vorstandsvorsitzende. Dieses veränderte Kundenverhalten wirke sich natürlich auch auf die Geschäftsstellen aus. Obwohl die Geschäfte zunehmen, seien weniger Kunden direkt am Schalter. Mit künftig 13 Geschäftsstellen in Bad Waldsee, Wolfegg, Bad Wurzach, Leutkirch, Aitrach und Aichstetten sei die Bank mit 340 Öffnungsstunden mehr präsent als alle anderen Banken. „Wir werden allen Menschen, die nicht mehr zur Bank kommen können, ab Mitte des Jahres einen Heimservice anbieten“, informiert Rosemarie Miller-Weber weiter. Das Geld werde nach telefonischer Bestellung mittels Kurier einmal in der Woche nach Hause geliefert.

Managementaufgabe sei es, wenn Sicherheitsrisiken erkannt werden, diese schnellstmöglich zu schließen. Aus diesem Grunde werde die Bank keine Überweisungen per Briefkasteneinwurf mehr annehmen und bittet ihre Mitglieder und Kunden, die sicheren Zugangswege zu nutzen.

Aufgrund eines Gerichtsurteiles kann das Mitgliederbonussystem nicht weitergeführt werden. Die Ausschüttungen an die Bankeigentümer sind nicht als abzugsfähig anerkannt worden. Deswegen hätten Aufsichtsrat und Vorstand entschieden, ab dem Geschäftsjahr 2016 wieder zum früheren Dividendenmodell ohne Bonus zurückzukehren. Mit der Ausschüttung Ende April könne der Mitgliederbonus für 2015 letztmals bezahlt werden.

 

Karl Josef Högerle verabschiedet sich

Nach 23 Jahren als Vorstandsvorsitzender und die letzten 3 Jahre als Vorstandsmitglied verabschiedet sich Karl Josef Högerle zum 30.04.2016 in den Ruhestand. Hierüber berichten wir gesondert.

 

Digitale Demenz - Prof. Dr. Spitzer

Im Anschluss nahm Gehirnforscher Prof. Dr. Manfred Spitzer die Besucher des Forum mit auf einen spannende und sehr unterhaltsame Reise in die Funktionsweise des menschlichen Gehirns und die Auswirkungen der digitalen Welt auf die Menschheit.

„Ihr Gehirn ist besser als eine Festplatte!“ Prof. Manfred Spitzer erläutert dies anhand eines Beispiels: nämlich wie ein Baby laufen lernt. Auf den ersten Blick scheint das Laufen lernen ein einfacher Vorgang zu sein. Doch die Komplexität dieses Lernprozesses wird deutlich, wenn Forscher versuchen, einem Roboter das Gehen auf zwei Beinen beizubringen.

Spätestens dann wird klar, wie viel Arbeit hinter diesem Lernprozess steckt. Beim Baby erledigt das Gehirn diese Arbeit. Das Baby zieht sich hoch und plumpst hin, zieht sich hoch und plumpst hin – immer wieder. Wochenlang übt das Kleine, ohne aufzugeben, bis es irgendwann klappt.

Würde das Gehirn Fakten abspeichern, liefe der Prozess anders ab. „Also, wie lernt ein Baby laufen?“, fragte der Mediziner in die Runde. „Ganz einfach: von Fall zu Fall“. Was sich witzig anhört, ist absoluter Ernst im Lernprozess. Denn anhand der Einzelfälle werden Zusammenhänge erkannt und vom Gehirn abgebildet. Ganz wesentlich ist die Erkenntnis, dass dieser Prozess von alleine abläuft. Das Gehirn kann gar nicht anders als zu lernen:  es ist sein Job. Genau dafür haben wir die eine Billiarde Synapsen.“ Das Gehirn lernt also immer. Kinder lernen viel schneller und effektiver, deshalb sollte im Baby-, Kleinkind- und Kindergartenalter möglichst viel in die Bildung der Kinder investiert werden.

Schädlich für die Entwicklung sind laut Spitzer die digitalen Medien. Studien zufolge ist eine häufige und intensive Nutzung oder auch die gleichzeitige Nutzung unterschiedlicher Medien für die Lernfähigkeit des Gehirns schädlich. Auch die in Deutschland durchschnittliche Bildschirmnutzung von 5,5 bis 6,5 Stunden pro Tag gibt aus Sicht von Prof. Spitzer Anlass zur Sorge, denn er vertritt die Meinung, dass wir unser Gehirne dadurch „vermüllen“, was langfristig Konsequenzen für unsere Gesellschaft und Wirtschaft haben kann.

Angesichts der Erkenntnisse aus der Hirnforschung warnte er vor einer zunehmenden Mediennutzung gerade im Kindes- und Jugendlichenalter. Wer in jungen Jahren sein Gehirn fordert und vieles lernt, um so länger dauert es im Alter bis eine Demenz spürbar eintritt.

Studien belegen, dass eine rege Mediennutzung, Computerspiele usw. die geistige Bildung negativ beeinflusst und ein geistiger Abstieg = Demenz sich viel früher bemerkbar macht.

Viele seien heute der Ansicht – man könne alles googeln, antwortet Prof. Spitzer:“Falsch. Wenn man nichts weiß, hat man keine Fragen und braucht auch nicht zu googeln.“ Ebenso schwierig sei das gegoogelte Wissen richtig einschätzen und anwenden zu können. Wer Medizin googelt, sollte auch Medizin studiert haben. Wissen sei die Voraussetzung für die Anwendung von Lexikonen und Wikipedia.